Geschichten aus dem wirklichen Leben von Diether:

Ausstellung in Bremervörde im Mai 2005 in der Berufsbildenden Schule

Australien 2011

Beitrag 3

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Ausstellung in Bremervörde im Mai 2005 in der Berufsbildenden Schule

Goldschmiede – Handwerker und Designer


Sehr geehrten Damen und Herren,
wir möchten ihnen in dieser Ausstellung zeigen was wir als Goldschmiede, als Handwerker und auch als Schmuckdesigner in Bremervörde tun.

Machen wir zunächst einen kurzen Rückblick in eine ferne Zeit -

der Goldschmiedeberuf ist einer der ganz alten Handwerksberufe.
Sie haben sicher einige der phantastischen Arbeiten der Sumerer, der Ägypter, der Etrusker und der vielen anderen Völker wenigstens auf Bildern gesehen, sie kennen Darstellungen von gewaltigen Tafelaufsätzen, von aufwendigen Monstranzen und den unglaublich reichen Schmuck von Fürsten und Königen, sie kennen Schmuck von Lalique und Faberge.

Das alles haben Goldschmiede gemacht.

Das ist aber lange her, so etwas machen die allermeisten Goldschmiede heute nicht mehr.

Was machen Goldschmiede heute?

Die meisten Goldschmiede machen Reparaturen, Umarbeitungen und Anfertigungen von Schmuck, meistens das was Kunden von ihnen verlangen, nur wenige Goldschmiede machen Kunst.

Aber, alle Goldschmiede schmieden doch Gold, denken Sie, naja, manchmal müssen wir auch das tun, aber darüber hinaus müssen wir eine ganze Reihe von erlernten Techniken anwenden um ein Schmuckstück entstehen zu lassen. Der Goldschmiede - Handwerker, meine Damen und Herren, kennt die Technik, versteht sich auf die richtige Reihenfolge der Anwendung der Techniken und setzt das um was er, sie oder ein Anderer entworfen hat. Diese Techniken mussten im Normalfall in einer 3 ½ jährigen betrieblichen Ausbildung erworben werden. Neben den Techniken ist natürlich auch bei uns viel Theorie nötig, um z.B. das Verhalten der Edelmetalle unter verschiedenen Arbeitsbedingungen zu kennen und anderes mehr. Genaue Kenntnisse der Edelsteine sind ebenso wichtig, denn wir verarbeiten teilweise sehr wertvolle Steine. Zur Theorie gehört auch das entwerfen und zeichnen von Schmuck, das sammeln von Ideen, das selektieren und konzentrieren bis zur Anfertigung der Kundenzeichnung.

Die Goldschmiede - Handwerker wenden erlernte, spezielle Arbeitstechniken an,

was machen die Schmuck – Designer?

Schmuckdesigner gestalten Schmuck, Schmuck als Unikat oder als Serienprodukt für die Industrie.
Design bedeutet geplante Gestaltung, es entsteht also kein Zufallsprodukt sondern ein Stück nach genauen Vorstellungen und Vorgaben. Design ist immer dem Zeitgeist, der Mode unterworfen, die zum Zeitpunkt des Entwurfes gerade In ist.

Da haben wir, sagen wir seit dem Ende des zweiten Weltkrieges ein Problem, denn die Mode und damit der Zeitgeist, rast mit hohem Tempo durch die Zeit. Auf der einen Seite gilt, was gestern modern war ist morgen nicht mehr In, aber auf der anderen Seite kann das In sein was vor 10 Jahren schon mal Mode war.

Es gibt seit vielen Jahren keinen Schmuckstil mehr, der wie in den vergangenen Jahrhunderten über viele Jahrzehnte Bestand hatte, wo wir z.B. den Stil der Romantik, der Renaissance oder des Barock hatten, um nur drei zu nennen, heute wird getragen was gefällt. Ich will das hier nicht beklagen denn es eröffnet uns als Designern schier unbegrenzte Möglichkeiten. Wir könnten bedenkenlos auf alle Wünsche unserer Kunden eingehen, solange wir uns nicht davor ekeln, die Kunden nicht verletzen oder wissentlich der Lächerlichkeit ihrer Umgebung preisgeben.

Schmuckdesigner, meine Damen und Herren sind häufig Goldschmiede, die zusätzlich Schmuckdesign studiert haben , andere haben sich neben dem Beruf in Kursen weiter gebildet oder sind einfach kreative Menschen. Jeder Schmuckdesigner hat allerdings seinen eigenen Geschmack, seinen eigenen Stil und seine eigene Sicht wie er das Schmuckstück gestaltet, es kommt nicht vor, so glaube ich jedenfalls, das zwei Designer, unabhängig voneinander die selbe Idee haben und identische Schmuckstücke entwerfen.

Soll heißen, Schmuckdesigner sind Individualisten und gestalten nach ihren eigenen Ideen.

Objektive Beratung, steht im Mittelpunkt unserer Kundengespräche.
Wir bemühen uns die Individualität und Einzigartigkeit unserer Kunden zu respektieren und mit dem Schmuck zu unterstützen. Dafür müssen wir spontane Designer sein, wir entwickeln uns im Kundengespräch eine möglichst genaue Vorstellung der Person für die der Schmuck gedacht ist, nehmen Rücksicht auf Vorlieben und Eigenheiten, auf Frisuren und Kleiderfarben, gehen auf schon vorhandene Schmuckstücke ein und müssen dabei natürlich die Techniken berücksichtigen, mit denen wir dieses spezielle Schmuckstück arbeiten müssen.

Um diese beiden Schwerpunkte des Goldschmiedens, den handwerklich - technischen und den gestalterischen deutlich zu machen, hat unsere Gesellin, für diese Ausstellung zwei Schmuckstücke, nach meinem Entwurf angefertigt, die sie komplett und in Einzelteilen in der großen Vitrine sehen können. Zusätzlich haben wir zum besseren Verständnis, auf Fotos an der Stellwand den jeweiligen Arbeitsgang zu den Einzelteilen dargestellt. Um ihnen die Entstehung eines Schmuckstückes, von der Idee über die Skizze bis hin zur fertigen Kundenzeichnung näher zu bringen, haben wir hier unsere Zeichenblätter ausgelegt.

Wir sind uns bewusst, dass diese beiden Schmuckstücke nicht dem Geschmack aller Anwesenden entsprechen werden, das kann ja auch gar nicht anders sein, denn auch sie sind ja Individualisten.
Bevor ich sie an die Vitrinen entlasse, möchte ich ihnen noch kurz im großen Bild die einzelnen Arbeitsgänge erklären.

Anhänger mit Gold-Silberkugel und zwei Karneolen


Ring passend zum Anhänger


schmelzen von Silberabschnitten um Blech und Draht herzustellen

eingießen des flüssigen Silbers in den Blecheinguss

schmieden des gegossenen Stückes um das Gefüge zu verdichten

walzen des Bleches

ausstanzen der Ronden für die Kugeln

auftiefen der Ronden zu Halbschalen

zusammen löten der goldenen und der silbernen Halbschale zur Kugel

Individuelle Vorrichtung zum Kugel löten, wird je nach Erfordernis hergestellt

walzen von Vierkantdraht

rund ziehen des gewalzten Drahtes durch ein Zieheisen an der Ziehbank -1

ziehen - 2

biegen des Runddrahtes mit der Biegezange

walzen von Blech zur Herstellung eines Scharniers (Rohres) als Fassungen für die Steine

wölben des Blechstreifens in der Riefenanke - 1

wölben -2

glühen des Rohres um Spannungen zu beseitigen


ziehen des Rohres (Scharniers) um die Fuge zu schließen

zulöten der Fuge mit Silberlot

Nach dem versäubern und dem ziehen auf das gewünschte Maß, absägen der Fassungsteile mit der Laubsäge

auflöten der Fassungen auf die Schiene

bohren durch die Fassung, Schiene und Kugel für die Welle

einsetzen der Welle

beidseitiges vernieten der Welle

fassen der Steine durch andrücken des Metallrandes an den Stein

schleifen und polieren von bestimmten Flächen

mattieren von vorgesehenen Stellen um Kontrast zu polierten Flächen zu bekommen

fertig  !!!

Kommentare, Fragen Antworten

von Dieter  07.06.2009
Ooohhh, ist das eine Fertigungstiefe. Habt ihr auch noch eine Silbermine ? ;) Ist denn  die goldene Halbkugel aus massivem Goldblech oder lasst ihr sie vergolden?

@ Dieter  08.06.2009
Die goldene Schalenhälfte ist aus 750/-- Gelbgoldblech und die silberne aus 925/--. Wir können uns fast alle Legierungen selbst herstellen, habe ich früher gemacht. Mittlerer Weile ist es mir zu aufwendig und ich bestelle mir das Material meistens in 2mm Blechform oder in 4mm Vierkantdraht, das dann auf das Maß gewalzt wird. Wir gießen nur noch ganz spezielle Materialformen.









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Australien 2011

Liebe Freunde und Verwandte,

unser letztes Geschäftsjahr endete nicht so schön wie wir es uns erhofft hatten, die Geschäftsübergabe verlief nicht so problemlos wie wir es uns erhofft hatten, aber wir haben unsere Bedingungen durchsetzen können, und so waren wir Silvester froh, die 33 Jahre hinter uns lassen zu können.

Voller Elan renovierten wir unsere Wohnung, ließen diverse Sicherheitseinrichtungen einbauen, richteten eine Goldschmiedewerkstatt ein, und machten im Februar die erste Ausstellung mit.

Im März fuhren wir nach Osnabrück zu einem Semestertreffen mit Diethers Studienkollegen. Es war sehr interessant und lustig, wir haben es genossen.

Am 21.Juni flogen wir mit Kai nach Darwin zu Ellen, Clayton und Lucy. Sie waren drei Tage vorher in ihr noch nicht ganz fertiges Haus gezogen.
Am 26. Juni wurde Lucy in meinem Taufkleid getauft, es war eine sehr schöne Feier.

Ab 27.6. fuhren wir auf dem Stuart Highway bis Adelaide, ca. 4.000 km. Stationen waren Katherine, Mataranka, Tennat Creek, Alice Springs, Ayers Rock, Kings Canyon, Erldunda, Coober Pedy, Port Augusta, Adelaide. Es war einerseits aufregend, andererseits aber auch öde, weil es nur alle 180 – 250 km eine Tank-Raststätte gibt die man anfahren muss, weil nicht angezeigt wird, wann die nächste kommt. Das Essensangebot war schlecht, da wir gewisse Hygieneansprüche hatten und Fast Food oder Weißbrot mit Käse, Wurst, Schinken und Salat übereinander auch nicht mochten. Das schlechteste Essen gab es in einem Restaurant in Alice Springs, eine undefinierbare Suppe mit Hühnerfleisch und rohem Gemüse. Von da an versorgten wir uns selbst. Der Höhepunkt war der Kings Canyon, anstrengend, aber ein beeindruckendes Erlebnis. Interessant war auch Coober Pedy wo wir eine Opal Mine besuchten und das sehen konnten, was wir bisher nur theoretisch kannten.

In Adelaide besuchten wir Freunde aus unserer Berliner Zeit, Trish und Christoph mit Sally (Kai's erste Freundin ) und Sophie. Sie zeigten uns die Stadt, die uns sehr gut gefiel.

Am 8.7. flogen wir nach Sydney, blieben dort 4 Tage, sahen eine Opernvorstellung „Capriccio” von Richard Strauß, mussten feststellen, das Australier dort hingehen, weil sie einmal schlafen wollen!

Sydney ist eine riesige schöne Stadt, wir haben nur einen Bruchteil gesehen, hatten dort ein sehr schönes Hotel mit Frühstück!

Am13. und 14.7. badeten wir in Berry Springs, (wo 2 Tage später ein 1,5 m großes Salzwasserkrokodil erschossen wurde), wir besuchten eine Krokodilfarm wo Claytons Bruder arbeitete.

Kai flog am 15.7. wieder nach Deutschland.

Lucy betreuten wir auch häufiger, da sie mehrfach unter einer Augenentzündung litt wenn sie einen Zahn bekam, dann dürfte sie nicht in den Hort. Wir haben viel Spaß miteinander gehabt, sie ist unheimlich weit, wir haben den Eindruck, der Hort ist gut für sie, sie lernt von den größeren Kindern!

Wir erlebten dann ein beeindruckendes Spektakel. In einem Yachtclub wird jedes Jahr ein „Wikingerhäuptling” auf einem Boot von Claytons Bogenfreunden „beerdigt”, in dem sie das Boot mit brennenden Pfeilen beschossen, es war ein lustiges Event.

Das aufregenste Erlebnis war die Clubjagd im Nirgendwo. Wir campten eine Woche in der Wildnis und die 25 Jäger schossen dort mit Pfeil und Bogen Wildschweine. Diether und ich sind keine Campingfreunde, aber wir haben es überlebt! Diether hatte auch eine ca. 12 cm große Spinne auf seinem Arm! Die Bogenschützen waren alle sehr nett, Lucy hat es genossen und wir erfreuten uns an Lucy. Ellen kochte und briet wie die ersten Siedler in einem Eisentopf in der Glut – es war ein Erlebnis, die Krönung war ein gemeinsames Essen einer jungen Sau, die auf einem Bettgestell über Feuer gebraten wurde!

Zurück in Darwin (wir wohnten ca. 30 km vom Ort entfernt in Girraween/Howard Springs ) besichtigten wir natürlich auch die Stadt, das Museum, den Hafen, den leeren Strand (wunderschön, aber keiner sonnte sich, und gebadet wird auch nicht, weil es dort Krokodile und Quallen geben kann!). Beim Darwin-Festival sahen wir ein sehr schönes Ballett und Diether besuchte auch ein Rodeo.

Wir entfernten um das Grundstück (10.000qm) auf einem 4 m breiten Sicherheitsstreifen das trockene Gras(Vorschrift), verteilten um das Haus 30 qm Mutterboden, pflanzten Grasstücke und schippten auf die Auffahrt 10 qm Kies, wobei wir auch von Tobias Kirschbaum unterstützt wurden. Er beendete seinen Abenteuerurlaub mit Arbeit in Darwin.

Wir fuhren mit Ellen, Lucy, Tobi, noch in den Litchfield Nationalpark, die Wasserfälle, die Natur und die Termitenbauten waren beeindruckend

Ende August flogen wir mit Ellen, Lucy und Clayton nach Brisbane. Wir wohnten überwiegend bei seiner Schwester und Schwager in Southbrook, sie zeigten uns die Gegend, den Geburtsort von Clayton und die Orte wo die Familie gewohnt hatte. Beeindruckend waren die Glashouse Mountains und der Tamborine Rainforest Skywalk.

Am 5.9. flogen wir zurück nach Darwin und feierten am 8.9. Lucy's ersten Geburtstag, den wir dann am 10. 9. mit der Familie noch einmal groß feierten.

Am 11.9. flogen wir zurück nach Frankfurt, wo uns Kai abholte und nach einem Frühstück bei Marju und Peter gut nach Hause fuhr.

Wir hatten gleich wieder zu Hause zu tun, wir bauten die Küche aus, bauten einen Teil der Möbel im Vorratsraum wieder auf, renovierten die Küche und Mitte Oktober wurde unsere Traumküche eingebaut, wir sind ganz glücklich damit, das Kochen auf dem Induktionsherd und Braten und Backen im Dampfbackofen macht richtig Spaß, wir kochen viel gemeinsam.

Im November hatten wir unsere Ausstellung in Bremen, die wieder erfolgreich war.

Am letzten Sonntag sangen wir mit der Kantorei die Schubertmesse in B, und das Weihnachtsoriatorium von Saint-Saens, und jetzt freuen wir uns auf Weihnachten, das wir mit Kai verleben werden.

Wir genießen unser unruhiges Rentnerdasein!

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