Mein lustigstes Projekt
Ziel einer Studie war die Erarbeitung von Konzepten für ein Gefährt, das für die Inspektion in Fernwärmekanälen geeignet ist. Das größte Problem war dabei, dass beim Errichten der Kanäle Geröll und Bauschutt einfach liegengelassen wurden. Außerdem kann der Kanalboden bei Undichtigkeiten weich und glitschig sein, so dass ein normaler Radantrieb als Konzept ausschied.
Ein Konzept der Studie war ein Gleitschlitten, der seinen Vortrieb durch eine schwere Masse erhielt, die mit hoher Beschleunigung auf eine Prallplatte des Gleitschlittens auftraf. Durch den entstehenden Impuls ergab sich eine Vortriebskraft am Gleitschlitten.
Diese Studie fiel dem Abteilungsleiter Professor X in die Hände. Bei einem Abteilungsleitertreffen machte er sich über das o.g. Konzept lustig und behauptete, dass es nicht funktionieren würde. Der Direktor, Herr Professor Y schlug in die gleiche Kerbe und rief meinem Abteilungsleiter, Herrn Professor Z, einem Segler, folgendes zu: "Wenn Sie bei Windstille auf ihrem Kahn stehen und in die Segel blasen, dann kommen Sie auch nicht vorwärts!" Die gesamte Tischrunde prustete vor Lachen und mein Abteilungsleiter schlich sich bedrückt von dannen.
Ich bekam Ärger. Mein Chef erhielt am nächsten Tag vom Professor X eine einseitige Berechnung zu diesem Thema, die "eindeutig" bewies, dass das Konzept nicht funktioniert. Er gab mir die Berechnung, damit ich meine Hausaufgaben machen konnte.
Ich machte meine Hausaufgaben. Für alles, was auf dieser Welt berechnet wird, gelten Randbedingungen die man vernachlässigen konnte oder auch nicht. Wenn also ein Apfel vom Baum fällt, spielt z.B. die Erddrehung nur eine geringe Rolle, so dass man diesen Einfluss getrost vernachlässigen kann. Nur die Einflusse der Gravitation und der Reibung, ohne die mein Konzept wirklich nicht funktioniert, kann auf keinen Fall vernachlässigt werden. Dies haben aber die Herren Abteilungsleiter übersehen. Auch in den Berechnungen des Herrn Professor X war von Reibung nicht die Rede.
Ich sann auf Rache. Zunächst wollte ich Herrn Professor X einen Brief schreiben und ihm mitteilen, dass mit seinen Annahmen er mit seinem Porsche auch mit Vollgas keinen Millimeter weit kommt. Das war mir aber zu wenig. Die Idee, ein Funktionsmuster zu bauen und es dem Direktor vorzuführen, war viel besser.
Die Grundlage zu meinem Funktionsmuster war ein Blech, zu einer Kufe gebogen. Darauf wurde ein Pneumatikzylinder montiert, der an seiner Kolbenstange ein schweres Gewicht trug. Ein Ventil mit einer Drossel sorgte dafür, dass das Gewicht gleichmäßig nach hinten transportiert wurde. Dabei verhinderte die Schwerkraft und die Reibung ein Bewegen der Kufe. Ein zweites Ventil ließ die Kolbenstange mit dem schweren Gewicht so nach vorne schnellen, dass während der Kolbenbewegung die Reibung gerade noch ausreichte um die Kufe nicht zu bewegen. Im Moment des Aufpralls der Kolbenstange auf den Endanschlag des Zylinders entstand ein Stoß, der sich auf die Kufe übertrug. Die Reibung wurde dadurch überwunden und das Gefährt bewegte sich nach vorn. Es funktionierte sogar so gut, dass das Funktionsmuster sogar eine schiefe Ebene mit 30 Grad "heraufklettern" konnte.
Das Funktionsmuster, das mit Druckluft angetrieben wurde, sollte zum Geburtstag des Direktors in der Werkstatt, in der er immer feierte, vorgeführt werden. Leider hat wohl ein Werkstattmitarbeiter gequatscht. Zum ersten Mal sollte die Feier nicht in der Werkstatt stattfinden. Also haben wir noch schnell ein Video gedreht, einen Fernseher organisiert und das Video zur Feier präsentiert. Herr Professor X hatte plötzlich einen wichtigen Termin und ließ sich entschuldigen. Der Direktor musste ja wohl oder übel anwesend sein. Mit gezwungenem Lächeln sagte er: "Wir haben sicher das Video manipuliert". Auf mein Angebot, dass er sich in der Werkstatt selbst von der Funktion des Gerätes überzeugen kann, ist er nicht eingegangen. Vielleicht auch deshalb, weil wir auf das Gefährt ein kleines Segel mit Matrose Donald Duck geklebt hatten. Der Matrose bläst in das Segel und hat einen Geburtstagsblumenstrauß in der Hand:
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